Wir betrachten Gedächtnisorte von europäischer Relevanz.
Das Interdisziplinäre Forschungszentrum Architektur und Geschichte widmet sich in seinen Projekten der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Geschichte von Zwangsarbeit im Nationalsozialismus, insbesondere der Erforschung des Zwangsarbeitereinsatzes auf den Baustellen und im Betrieb der Wiener Flaktürme.
Die sechs Flaktürme als Mahnmale
Erklärtes Ziel des Forschungszentrums iFAG ist eine Kommentierung der sechs ehemaligen Flaktürme in Wien als Mahnmale der massenhaften Ausbeutung und Entwürdigung von Menschen im Nationalsozialismus. Informationstafeln sollen den Entstehungskontext der Flaktürme erklären und Gedenktafeln an den Fassaden an die Zwangsarbeiter aus allen Teilen Europas erinnern, die diese Bauten errichten mussten.
Fundort Flakturm – Fundbergung und Sicherung im ehem. Leitturm Augarten
Im Inneren des ehemaligen Leitturms im Wiener Augarten existieren bis heute Überreste aus der Zeit seiner Errichtung und Nutzung während des Zweiten Weltkriegs. iFAG untersucht das Bauwerk in seinem aktuellen Forschungsprojekt „Fundort Flakturm – Fundbergung und Sicherung im ehem. Leitturm Augarten“.
NS-Bauten und Zwangsarbeit
Weitere Forschungsfelder sind in Zwangsarbeit errichtete NS-Bauten, sowie Orte, die mit Häftlings- bzw. ziviler Zwangsarbeit in Zusammenhang stehen.
Flakturm-Archiv
Ein Flakturm-Archiv mit Funden aus den Türmen könnte die notwendige Vermittlungsarbeit leisten und die Auseinandersetzung fördern.
Graffiti im Leitturm
An den Innenwänden des Leitturms im Arenbergpark dokumentieren hunderte Graffiti von Zwangsarbeitern aus allen Ländern Europas und der Sowjetunion die Präsenz einer heute nicht mehr wahrgenommenen Opfergruppe.
Das Forschungsteam um die Architekturhistorikerin Ute Bauer dokumentierte, dass die Wiener Flaktürme vor allem Zeugnisse der Ausbeutung von Zwangsarbeitern aus vielen europäischen Ländern sind. Die Bedeutung dieser historischen Orte ist kein Zufall: Nach dem absehbaren Ende der Zeitzeugenschaft der Opfer von NS-Verbrechen sind es zunehmend die Orte, die Zeugnis ablegen über die Schrecken der Vergangenheit.
Heidemarie Uhl · Österreichische Akademie der Wissenschaften, Mentorin